Christian Florschütz Interim Manager

Christian Florschütz ist Interim Manager und Customer-Service-Experte mit über 20 Jahren Praxiserfahrung im Kundenservice und Handel. Sein Fokus liegt auf Kundenservice, KI und ESG mit besonderem Blick auf messbaren Verbesserungen bei Servicequalität, Kosten und Kundenzufriedenheit. 2025 wurde er von der DÖIM als „Interim Manager des Jahres“ ausgezeichnet. Mit Sitz in Freilassing arbeitet er heute im gesamten DACH-Raum.

Customer Service Transformation:

vom Kostenfaktor zum Werttreiber

Customer Service Transformation: vom Kostenfaktor zum Werttreiber
Customer Service Transformation: vom Kostenfaktor zum Werttreiber

Customer Service Transformation ist die grundlegende Neuausrichtung von Strategie, Prozessen, Technologie und Organisation im Kundenservice mit dem Ziel, Kundenerlebnis und Wirtschaftlichkeit gleichzeitig messbar zu verbessern. Sie geht über die Einführung einzelner Tools hinaus und entwickelt den Service vom Kostenfaktor zum Werttreiber.

Was ist Customer Service Transformation? Abgrenzung zu Digitalisierung und Automatisierung

Eine Customer Service Transformation verändert nicht nur Werkzeuge, sondern das Betriebsmodell des Service: Wofür der Service da ist, wie er organisiert ist, wie Erfolg gemessen wird. Drei Begriffe werden dabei oft verwechselt, und die Verwechslung kostet Projekte regelmäßig Geld.

Transformation beantwortet das Was und Warum. Sie definiert das Zielbild, die Steuerungslogik und die Organisation. Die Digitalisierung im Kundenservice beantwortet das Wie über Kanäle und Systeme: Omnichannel, CRM, Ticketing, Daten. Die KI-Automatisierung im Kundenservice ist die technische Tiefe einzelner Anwendungsfälle: Chatbot, Ticketklassifizierung, Self-Service. Die drei Ebenen bauen aufeinander auf. Wer mit der Automatisierung anfängt, ohne das Zielbild zu kennen, automatisiert oft schlechte Prozesse schneller.

In der Praxis erkenne ich eine echte Transformation daran, dass sie eine Frage beantwortet, die kein Tool beantwortet: Soll der Service Kosten senken, Umsatz schützen oder Umsatz erzeugen? Erst diese Entscheidung macht aus einem Projekt eine wirkliche Transformation.

Warum jetzt? Die vier Auslöser

Vier Entwicklungen treffen aktuell zusammen und erhöhen den Handlungsdruck im Service.

Erstens der Kostendruck. Service gilt in vielen Unternehmen weiter als Kostenstelle, und in angespannten Jahren wird dort zuerst gekürzt. Richtig umgesetzt kann KI im Kundenservice erhebliche Produktivitäts- und Kosteneffekte ermöglichen. McKinsey beziffert das theoretische Produktivitätspotenzial generativer KI im Customer Care auf einen Gegenwert von 30 bis 45 Prozent der heutigen Funktionskosten. Welche Einsparung ein einzelnes Unternehmen tatsächlich erreicht, hängt jedoch von Kontaktstruktur, Prozessreife, Automatisierungsquote und Integrationsaufwand ab. Das macht den Service zum Hebel, nicht zum Sparposten.

Zweitens der technologische Sprung bei KI. In einer Gartner-Befragung von 321 Serviceverantwortlichen berichteten 91 Prozent, dass ihre Geschäftsleitung 2026 die Einführung von KI erwartet. Gleichzeitig planen fast 80 Prozent der Unternehmen, Aufgabenprofile im Kundenservice zu verändern. Ohne klares Zielbild entstehen dabei leicht einzelne Piloten, die weder in Prozesse noch in das künftige Betriebsmodell eingebunden sind.

Drittens Fluktuation und Fachkräftemangel. Fluktuation und schwer zu besetzende Fach- und Führungsrollen verschärfen den Druck. Verlassen erfahrene Mitarbeitende oder Führungskräfte den Service, gehen Prozesswissen, Kundenkenntnis und informelle Lösungswege verloren. Ohne strukturierte Wissenssicherung verlängern sich Einarbeitungszeiten und die Servicequalität schwankt.

Viertens die gescheiterten Vorprojekte. Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren Prozesse und auch Tools eingeführt, die nicht zusammenpassen. Eine Transformation räumt hier auf, bevor neu investiert wird.

Die fünf Phasen einer Service-Transformation

Die fünf Phasen einer Service-Transformation
Die fünf Phasen einer Service-Transformation

Eine belastbare Transformation läuft in fünf Phasen. Sie lassen sich nicht überspringen, aber je nach Reifegrad straffen.

  1. Analyse und Zielbild. Ist-Aufnahme von Kontaktvolumen, Kanälen, Kosten pro Kontakt und KPIs. Daraus wird ein konkretes Zielbild mit Zahlen abgeleitet, nicht mit Adjektiven. Ohne faktenbasiertes Ziel gibt es später keinen Maßstab für Erfolg.
  2. Journey- und Prozess-Design. Die wichtigsten Kundenanliegen werden end-to-end neu gedacht, von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Lösung. Hier entscheidet sich, welche Anliegen automatisiert, welche per Self-Service und welche von Menschen gelöst werden.
  3. Pilot. Ein abgegrenzter Anwendungsfall wird real getestet, mit echten Kunden und messbaren Zielen. Der Pilot beweist oder widerlegt die Annahmen, bevor groß investiert wird.
  4. Rollout. Der bewährte Ansatz wird skaliert: weitere Anliegen, weitere Kanäle, weitere Teams. Change-Arbeit ist hier kein Nebenprodukt, sondern die Hauptarbeit.
  5. Kontinuierliche Verbesserung. KPIs werden laufend ausgewertet, Prozesse nachgeschärft und neue Kundenanforderungen aufgenommen. Die Transformation endet deshalb nicht mit dem Rollout, sondern geht in eine dauerhafte Steuerungs- und Verbesserungsroutine über.

Warum Service-Transformationen scheitern

Die Quote ist unbequem: Transformationen verfehlen häufig einen Teil ihrer Ziele. McKinsey verwendet dafür die vielzitierte Größenordnung von rund 70 Prozent. Diese Quote ist wissenschaftlich umstritten, weil Transformationen unterschiedlich definiert und Ergebnisse selten nur als vollständiger Erfolg oder vollständiges Scheitern bewertet werden können. Unstrittig ist jedoch, dass fehlende Führung, unklare Ziele, mangelnde Beteiligung und unzureichender Kompetenzaufbau das Umsetzungsrisiko erheblich erhöhen. Im Service sehe ich vier wiederkehrende Ursachen:

Fehlendes Mind-Set. Unternehmen schätzen den eigenen Service oft besser ein, als ihn die Kunden erleben. Ohne ehrliche Außensicht startet die Transformation auf einer falschen Annahme.

Schwache Kommunikation und Koordination. Wenn die Geschäftsführung kein überzeugendes Warum liefert, ziehen die Teams nicht mit. McKinsey nennt genau das als häufigsten Grund: zu niedrige Ambition und ein fehlendes, glaubwürdiges Change-Narrativ.

Brüche in Systemen und Prozessen. Werkzeuge werden eingeführt, ohne die Prozesse darunter zu klären. Das Ergebnis sind schnellere, aber weiterhin falsche Abläufe.

Kein Maßstab. Wer Erfolg nicht in Zahlen definiert, kann ihn nicht steuern. Eine Transformation braucht harte KPIs ab Tag eins, sonst endet sie als Aktivität ohne Ergebnis.

Aus meinen Mandaten ziehe ich daraus eine einfache Konsequenz: lieber ein kleiner, gemessener Pilot mit klarer Linienverantwortung als ein großes Programm ohne Eigentümer.

Contact Center Transformation

Contact Center Transformation ist die strategische Neuausrichtung von Prozessen, Technologie und vor allem Mitarbeiterkompetenzen im Kundenkontaktcenter, mit Blick auf die gesamte Customer Journey statt auf einzelne Werkzeuge. Sie überführt das klassische, telefonzentrierte Callcenter in einen vernetzten Servicepunkt über alle Kanäle.

Die Treiber sind konkret. Kunden kommunizieren heute über eine Vielzahl von Kontaktpunkten mit Unternehmen. Salesforce nennt im Durchschnitt neun genutzte Kommunikationskanäle. Für den Kundenservice entsteht daraus die Anforderung, Identität, Vorgeschichte und Bearbeitungsstatus auch bei einem Kanalwechsel konsistent verfügbar zu halten. Drei Verschiebungen prägen die Contact-Center-Transformation derzeit:

  • Omnichannel statt Kanalsilos. Telefon, E-Mail, Chat, Messaging und Social laufen in einer Oberfläche zusammen, mit durchgängiger Kontakthistorie. Eine integrierte Omnichannel-Architektur soll vor allem verhindern, dass Kunden bei einem Kanalwechsel Informationen wiederholen müssen und Mitarbeitende ohne Vorgeschichte übernehmen. Der Erfolg lässt sich anhand eigener Kennzahlen wie Wiederkontaktquote, Übergabequalität, Wartezeit und Erstlösungsquote messen.
  • Agent-Assist statt reiner Selbstbedienung. KI schlägt Antworten vor, fasst Vorgänge zusammen und übernimmt die Nachbearbeitung. Der Mensch löst die komplexen und emotionalen Fälle. Das senkt die Kosten pro Kontakt und entlastet die Teams spürbar.
  • Proaktiver statt reaktiver Service. Daten und KI ermöglichen es, ein Problem anzusprechen, bevor der Kunde anruft, etwa mit Liefer- oder Störungshinweisen.

Gemessen wird die Transformation aus vier Perspektiven:

  • Kundenerlebnis: CSAT oder Customer Effort Score
  • Lösungsqualität: FCR, Wiederkontaktquote und Lösungszeit
  • Wirtschaftlichkeit: Kosten je vollständig gelöstem Anliegen und Fehlerkosten
  • Wertbeitrag: verhinderte Kündigungen sowie geschützter oder zusätzlich erzeugter Umsatz

Die Tiefe einzelner KI-Bausteine, von der Ticketklassifizierung bis zum RAG-gestützten Chatbot, behandle ich in der Leistungsseite zur KI-Automatisierung im Kundenservice.

Zielbild Service Excellence

Service Excellence kann ein Zielbild einer Kundenservice-Transformation sein, wenn sich ein Unternehmen bewusst über außergewöhnliche Kundenerlebnisse differenzieren will. Die aktuelle DIN ISO 23592:2026-02 beschreibt dafür Grundsätze und ein Modell zur Entwicklung herausragender Kundenerlebnisse und nachhaltiger Kundenbegeisterung. Die DIN SPEC 77224 war 2011 der weltweit erste offizielle Standard zum Thema Service Excellence. Seit Februar 2026 ist sie jedoch zurückgezogen und durch die DIN ISO 23592 ersetzt.

Die Norm macht deutlich, dass Service Excellence nicht durch eine einzelne Initiative entsteht. Sie verlangt ein Zusammenspiel aus strategischer Ausrichtung, Führung, Mitarbeitenden, Prozessen, Kundenerlebnis und kontinuierlicher Verbesserung. Für die Praxis bedeutet das: Servicequalität muss nicht nur wahrgenommen, sondern anhand definierter Kunden-, Prozess- und Wirtschaftlichkeitskennzahlen gesteuert werden.

Für die Praxis übersetze ich das Zielbild in ein kompaktes, zum jeweiligen Mandat passendes KPI-System. Es verbindet Kundenwahrnehmung, Lösungsqualität, Wirtschaftlichkeit und Wertbeitrag. Dazu können CSAT oder Customer Effort, Erstlösungs- und Wiederkontaktquote, Kosten je vollständig gelöstem Vorgang sowie geschützter oder zusätzlich erzeugter Umsatz gehören. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit bleibt eine operative Kennzahl, darf aber nie isoliert als Erfolgsmaßstab verwendet werden.

Umsetzung per Interim Management

Eine Transformation scheitert selten an der Idee, meist an der Umsetzung im laufenden Betrieb. Genau hier setzt Interim Management an: Führung und Linienverantwortung auf Zeit, mit Ergebnisverantwortung statt Empfehlung.

Beratung und Interim Management können beide Konzept und Umsetzung begleiten. Der wesentliche Unterschied liegt in der Rolle: Ein Interim Manager wird für einen begrenzten Zeitraum in die Organisation eingebunden, übernimmt ein definiertes Führungs- und Entscheidungsmandat und trägt operative Verantwortung für Umsetzung und Ergebnisse. Das ist besonders relevant, wenn nicht nur ein Konzept, sondern Führungskapazität im laufenden Betrieb fehlt.

Der Unterschied liegt in der Verbindlichkeit. Eine Transformation braucht eine Person mit Mandat, die im laufenden Betrieb Entscheidungen trifft, Zielkonflikte auflöst und für die vereinbarten Ergebnisse einsteht.

In einem Mandat bei einem Marktführer der Parkraumbewirtschaftung in Deutschland und Österreich sank die Telefonwartezeit nach der Einführung von Cloud-Telefonie, Outsourcing und Prozessoptimierungen auf unter 45 Sekunden. E-Mail-Anliegen wurden innerhalb von 24 Stunden final gelöst. Ein zusätzlich verantwortetes Teilprojekt zum Austausch von 500.000 Kundenkarten wurde rund fünf Prozent unter dem geplanten Budget umgesetzt.

Wie solche Mandate aussehen, zeigen meine Praxisbeispiele und die Startseite zur Interim-Positionierung.

Vertiefung in den begleitenden Artikeln

Die folgenden Beiträge vertiefen die wirtschaftlichen, technischen und operativen Fragestellungen:

Häufige Fragen zur Customer Service Transformation

Quellen:

  • McKinsey & Company – Why do most transformations fail? (Harry Robinson); Common pitfalls in transformations (Jon Garcia): mckinsey.com
  • DIN ISO 23592:2026-02 – aktueller Standard „Service Excellence – Grundsätze und Modell“. dinmedia.de
  • DIN SPEC 77224:2011 – historischer Vorgänger und weltweit erster offizieller Standard zum Thema Service Excellence; inzwischen ersetzt. dinmedia.de
Case Studies & Ideen

Den Kundenservice automatisieren in der Praxis

Zahlen und Beispiele aus meinen Case Studies zeigen, wo Unternehmen im Kundenservice Zeit sparen, Anfragen schneller bearbeiten und ihre Serviceteams mehr Zeit für mehr Umsatz haben.

Case Study Kundenservice 1 - Interim Manager
Konsumgüterhersteller / DIY / Garten

Kundenservice neu definiert

20% mehr Arbeitszeit für umsatzsteigernde Aktivitäten gewonnen, erwartete Umsatzsteigerung 2%, stabilere und planbarere Liquiditätslage im Saisonverlauf etc.

Case Study Kundenservice 2 - Interim Manager
Marktführer Parkraumbewirtschaftung

Parken neu gedacht

Cloud-Telefonie verkürzte die Telefonwartezeit auf unter 45 Sekunden, E-Mail-Antwortzeit mit finaler Lösung auf 24 Stunden reduziert. Durch Salesforce AI 6% Arbeitszeit eingespart. Projektkosten ca. 5% unterhalb des geplanten Budgets etc.

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Automatisierung im Kundenservice

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